Blogartikel Darf ich einen Grabstein selbst setzen

Grabstein selbst setzen: Der komplette Ratgeber (Erweiterung)

Sonja Jeske

Du hast bereits unseren Artikel „Darf ich einen Grabstein selbst setzen?" gelesen? Hier findest du die ausführliche Erweiterung mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen, Kosten-Übersichten und Antworten auf alle häufigen Fragen.

Das Wichtigste in Kürze

- Ein Grabstein darf in den meisten Fällen selbst gesetzt werden – **nach Genehmigung** durch die Friedhofsverwaltung
- Die Friedhofssatzung regelt, was erlaubt ist (Größe, Material, Gestaltung)
- Für große, schwere Steine ist ein Fundament nötig – hier lohnt sich oft der Fachmann
- Kleine Grabplatten und Liegesteine kannst du problemlos selbst setzen

 

Schritt 1: Friedhofssatzung prüfen

Bevor du irgendetwas kaufst, brauchst du die **Friedhofssatzung** deines Friedhofs. Diese regelt:

Regelung & Typische Vorgaben

Maximale Größe: z.B. 40x30 cm für Urnengräber
Erlaubte Materialien: Naturstein, Holz, manchmal Keramik
Farben: Oft nur verdeckte, natürliche Töne
Schriftart: Manchmal vorgeschrieben
Symbole: Religiöse Symbole meist erlaubt, andere nach Absprache
Standsicherheit: Oft Fundamentpflicht ab bestimmte Größe

Wo bekommst du die Satzung?

• Direkt bei der Friedhofsverwaltung (oft im Rathaus oder kirchlichen Amt)
• Manchmal online auf der Website der Gemeinde
• Telefonisch nachfragen ist immer der schnellste Weg


Schritt 2: Genehmigung einholen

In den meisten Bundesländern brauchst du eine **schriftliche Genehmigung**, bevor du einen Grabstein aufstellen darfst.

So geht's:

1. Antrag stellen bei der Friedhofsverwaltung
2. Skizze einreichen mit Maßen und gewünschtem Text/Motiv
3. Warten auf Genehmigung (meist 1-4 Wochen)
4. Erst dann bestellen – nicht vorher!

Was passiert ohne Genehmigung?

Im schlimmsten Fall muss der Stein wieder entfernt werden – auf eigene Kosten. Das möchtest du vermeiden.

 

Schritt 3: Den richtigen Stein wählen

Stehender Grabstein vs. Liegestein

Typ

Maximale Größe: z.B. 40x30 cm für Urnengräber
Erlaubte Materialien: Naturstein, Holz, manchmal Keramik
Farben: Oft nur verdeckte, natürliche Töne
Schriftart: Manchmal vorgeschrieben
Symbole: Religiöse Symbole meist erlaubt, andere nach Absprache
Standsicherheit: Oft Fundamentpflicht ab bestimmte Größe

 Typ Selbst setzen Aufwand
Liegestein / Grabplatte Einfach Gering

Kleiner stehender Stein
(bis 50 cm)

Möglich

Mittel

Großer stehender Stein (über 50 cm)

Schwierig

Fundament nötig

Meine Empfehlung:** Wenn du es selbst machen möchtest, wähle einen **Liegestein oder eine Grabplatte**. Die sind leichter, brauchen kein Fundament und sehen modern und würdevoll aus.

 

Schritt 4: Grabplatte selbst setzen – Anleitung

Für eine Grabplatte (z.B. aus Granit oder Keramik) brauchst du:

Material:

1. Grabplatte 
2. Splitt oder Kies (ca. 5 cm)
3. Wasserwaage
4. Gummihammer
5. Optional: Unkrautvlies

Anleitung:

1. Fläche vorbereiten
Entferne Unkraut und lockere Erde. Hebe eine flache Mulde aus (ca. 8-10 cm tief, etwas größer als die Platte).

2. Splittbett anlegen
Fülle 5 cm Splitt ein und verdichte ihn leicht. Das sorgt für Drainage und Stabilität.

3. Platte auflegen
Lege die Grabplatte vorsichtig auf das Splittbett. Nutze die Wasserwaage, um sie gerade auszurichten.

4. Korrigieren
Mit dem Gummihammer kannst du vorsichtig nachklopfen. Nicht zu fest – Naturstein kann brechen!

5. Ränder auffüllen
Fülle die Ränder mit Splitt oder Erde auf. Fertig.

Zeitaufwand: ca. 30-60 Minuten

 

 

 

Warum ist das so?

Die Errichtung von Grabmalen unterliegt der sogenannten Genehmigungspflicht. Bevor ein Grabstein gesetzt werden darf, muss die Friedhofsverwaltung den Entwurf genehmigen. Dies dient mehreren Zwecken:

  • Sicherheit: Ein nicht fachgerecht gesetzter Grabstein kann umkippen und zur Gefahr für Friedhofsbesucher werden. Grabsteine müssen daher bestimmte Sicherheitsstandards (z. B. nach DIN EN 14995) erfüllen.

  • Gestaltung und Ästhetik: Friedhofsverwaltungen achten darauf, dass die Grabsteine in das Gesamtbild des Friedhofs passen. Größe, Material und Form können in der jeweiligen Friedhofssatzung festgelegt sein.

  • Fachliche Ausführung: Nur ausgebildete Steinmetze und Steinbildhauer verfügen über das notwendige Wissen und die Werkzeuge, um einen Grabstein sicher und dauerhaft zu befestigen. Sie sind oft auch für die jährliche Sicherheitsüberprüfung der Grabsteine zuständig.

Fazit für Deutschland: In fast allen Fällen ist es notwendig, einen qualifizierten Steinmetz oder ein zugelassenes Fachunternehmen zu beauftragen. Diese kümmern sich nicht nur um das fachgerechte Setzen, sondern auch um die notwendigen Anträge bei der Friedhofsverwaltung.

 

2. Grabstein selbst setzen im europäischen Ausland: Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Auch in anderen europäischen Ländern gibt es ähnliche Regelungen, auch wenn die Handhabung teils lockerer ist.

  • Großbritannien: Hier gibt es mehr Spielraum. Grabmale werden von der Friedhofsverwaltung genehmigt, aber es ist durchaus üblich, dass Angehörige sich an der Gestaltung beteiligen. Die eigentliche Installation muss jedoch oft von einem zertifizierten Fachmann vorgenommen werden, um die Sicherheitsstandards (wie sie z.B. von der National Association of Memorial Masons, NAMM, festgelegt werden) zu gewährleisten.

  • Frankreich: Die Regelungen sind ähnlich wie in Deutschland. Die Gemeinden und Friedhofsverwaltungen sind für die Einhaltung der Vorschriften verantwortlich. Grabsteine müssen von einem Fachmann gesetzt werden, der die Sicherheitsbestimmungen einhält. Selbstständige Arbeiten sind in der Regel nicht erlaubt.

  • Polen: Die Vorschriften können je nach Region und Friedhofsträger (z. B. staatlich oder kirchlich) variieren. Oft ist es hier noch üblicher, dass Angehörige bei der Grabpflege und teilweise auch beim Aufstellen des Grabmals mithelfen. Dennoch muss das Setzen des Steins meist von einem lizenzierten Steinmetz durchgeführt werden, um Stabilität und Genehmigung zu garantieren.

  • Skandinavien (z. B. Schweden, Norwegen): Auch hier dominiert die Genehmigungspflicht. Die Friedhofsverwaltung legt fest, welche Art von Grabmalen zulässig ist. Die eigentliche Installation wird in den meisten Fällen professionellen Steinmetzen überlassen, da die Wetterbedingungen hier spezielle Anforderungen an die Haltbarkeit der Fundamente stellen.

 

3. Fazit für Europa

In den meisten europäischen Ländern, besonders in Mitteleuropa, steht die Sicherheit an erster Stelle. Das professionelle Setzen von Grabsteinen durch einen Fachbetrieb ist die Regel, um Unfälle zu vermeiden und die Langlebigkeit der Grabmale zu gewährleisten. Die jeweiligen Friedhofsgesetze und -satzungen sind der entscheidende Leitfaden.

 

4. Was Angehörige dennoch tun können

Auch wenn das Aufstellen des Grabsteins den Profis überlassen werden muss, bedeutet das nicht, dass Angehörige machtlos sind. Im Gegenteil:

  • Mitgestaltung: Arbeite eng mit dem Steinmetz zusammen, um den Entwurf zu entwerfen. Von der Auswahl der Gesteinsart bis zur Inschrift kannst du eigene Ideen einbringen, um ein persönliches und würdiges Grabmal zu schaffen.

  • Grabpflege: Das Gießen der Blumen, das Säubern des Grabsteins und das Entfernen von Unkraut sind Handlungen, die nicht nur helfen, die Grabstätte zu pflegen, sondern auch eine Form der aktiven Trauerbewältigung darstellen können.

Die Entscheidung, die Grabsteinsetzung einem Fachmann zu überlassen, ist in den meisten Fällen eine Frage der Sicherheit und der Einhaltung rechtlicher Vorschriften. So kann garantiert werden, dass der Gedenkort für den Verstorbenen dauerhaft sicher und würdevoll ist.

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