Der Engel der Zuwendung – Salzhausen, Landkreis Harburg
Sonja JeskeEr steht da, als hätte er schon immer dort gestanden. Dabei ist er noch gar nicht so alt.
Wer den Friedhof in Salzhausen betritt, dem begegnet er schon am Eingang der Kapelle: ein gut vier Meter hoher Engel aus Eichenholz, die Hände zum Gebet gefaltet, den Kopf leicht gesenkt. Auf seinem Gewand ist ein kleiner Baum zu sehen, mit heranwachsenden Ästen und Blättern.
Er symbolisiert nach dem Tod die beginnende neue Ära bei Gott in der Ewigkeit — so hat es der Künstler selbst erklärt.
Der Entwurf stammt von Manuela Klindworth aus Salzhausen. Ihr Entwurf gewann bei einer Abstimmung in der Kirchengemeinde den Zuschlag. „Menschen, die einen anderen Menschen zu Grabe tragen, brauchen einen ihnen in ihrem Leid verbundenen, zugewandten Engel", so Klindworth.
Sie gab ihm auch seinen Namen: Engel der Zuwendung.
Geschaffen wurde das Kunstwerk innerhalb von nur knapp zweieinhalb Tagen von dem bekannten Kettensägenkünstler Michael Knüdel aus Bispingen. Knüdel arbeitete aus einer 126 Jahre alten Gödenstorfer Eiche — ein Baum also, der selbst schon viel getragen hatte, bevor er zur Figur wurde.
„Der Engel der Zuwendung verkündet uns, dass Gott uns auf dem Weg der Trauer begleiten will", erklärte der Salzhäuser Pastor Michael Danne bei der Einweihung. Die Engel könnten den Tod auf der Erde nicht verhindern, würden die Sterbenden aber durch die Dunkelheit ins Licht des ewigen Lebens tragen.
Dort steht er nun seit fast zehn Jahren und spendet den Trauernden, die hier ihre Lieben zu Grabe tragen, Zuversicht und Trost. Was mich an diesem Engel berührt: Er schaut nicht nach oben, nicht in die Ferne. Er steht einfach da. Zugewandt. Als käme er nicht, um zu trösten mit großen Worten — sondern um zu schweigen, gemeinsam.